Microsoft hat mit der Einführung von Business Central (Oktober 2018) neben dem neuen Produktnamen ebenfalls ihre Release Zyklen geändert. Die „großen“ Programmänderungen erfolgen im 6-Monats-Rhythmus jeweils im April und Oktober (Spring- / Fall-Release). Darüber hinaus gibt es monatliche Updates. Diese Release Zyklen betreffen nicht nur Microsoft Dynamics 365 Business Central sondern auch die Microsoft Power Plattform (Power BI, Power Apps, Power Automate) sowie Microsoft Dynamics 365. Zu beachten ist, dass nicht zwingend alle im Release vorgestellten Änderungen vom ersten Tag ab verfügbar sind. Vielmehr hält sich Microsoft mit der Bereitstellung den Zeitraum bis zu dem nächsten Hauptrelease (also 6 Monate) offen.

Das Wichtigste vom Business Central Fall Relase

 

Ab jetzt nur noch AL

Microsofts Business Central Produktstrategie für ein 100% updatefähiges aber zeitglich auch flexibel anpassbares Produkt erforderte eine grundlegende Veränderung in der technologischen Basis. Microsoft hatte bereits im Oktober 2018 für diesen Zweck eine neue Entwicklungssprache AL eingeführt, die sich als Add-On in Visual Studio Code integriert. Von Oktober 2018 bis September 2019 konnte noch wahlweise mit der alten Entwicklungssprache C/AL oder mit AL entwickelt werden. Seit Oktober 2019 steht für neue Installationen nur noch AL zur Verfügung. Für die Dynamics Entwickler ist dies zunächst einmal eine Umgewöhnung in der Entwicklungsarbeit. Die damit verbundenen Vorteile für Endkunden wie aber auch Partner sind jedoch enorm.

Kunden, die sich heute für ein Microsoft Dynamics 365 Business Central Neuprojekt entscheiden, sollten sicherstellen, dass ihr Partner ausschließlich „AL“ für ihre Programmanpassungen verwendet. Nur so ist sichergestellt, dass monatliche Updates sowie die 6-monatigen Hauptreleases mit geringstem Aufwand integriert werden können. Für Kunden, die Business Central online (also als Service von Microsoft) nutzen, ist AL bereits seit Oktober 2018 die einzige Möglichkeit der Programmanpassungen. Diese Kunden werden auch automatisch von Microsoft mit Updates versorgt.

Microsoft stellt mit diesem Release auch erstmals keinen Windows-Client mehr zur Verfügung. Anwender können nun zwischen der Microsoft Dynamics 365 Business Central App (auch für das Windows Betriebssystem verfügbar), sowie dem Web-Client wählen. Somit steht Business Central auf allen relevanten Betriebssystemen (Windows, iOS, Android) als App zur Verfügung. Für seltenere Arbeitsplatz-Betriebssysteme wie z.B. Linux kann über einen der gängigen Browser mit dem Web-Client gearbeitet werden.

 

Verbesserte Benutzerführung und Anpassbarkeit

Durch den Wegfall des Windows-Client musste gerade im Web-Client in Bezug auf Benutzerfreundlichkeit noch etwas nachgelegt werden. Dieser Verantwortung ist Microsoft mit Bravour nachgekommen. So können sich Mitarbeiter nun ihre wichtigsten Arbeitsbereiche (Pages) als Favoriten kennzeichnen und diese direkt auf ihrem Rollencenter (Startbildschirm) anzeigen lassen.
Neben der bisher schon sehr guten Suchfunktion gibt es nun eine erweiterte Funktionsansicht (Rollencenter Explorer) um noch schneller, selten genutzte Inhalte aufrufen zu können.

Benutzer, die aus der Welt des Windows-Client kommen, haben sich häufig an Tastenkombinationen (so genannte Shortcuts) gewöhnt. Auch für Benutzer mit einem hohen Volumen an erfassten Dokumenten sind Shortcuts sehr hilfreich. Microsoft hat hier ein spezielles Augenmerk daraufgelegt und eine wirklich beeindruckende Funktionstiefe mit Shortcuts bereitgestellt. Eine sehr gute Übersicht der aktuellen Shortcuts finden Sie direkt auf der Microsoft-Seite.

Eine individuelle Anpassbarkeit der Benutzeroberfläche, wie zum Beispiel die Anzeige von Feldern, war bereits im ersten Business Central Release im Oktober 2018 bequem möglich. Microsoft hat in diesem Release jedoch noch Feinjustierungen durchgeführt. So können Spalten auch in ihrer Breite angepasst werden und die individuellen Favoriten (Bookmarks) nach eigenen Wünschen angeordnet werden.
Auch die Filter-Funktionen in Listen und Reports wurden optimiert und stehen nun den ehemaligen Filtermöglichkeiten des Windows-Client in nichts nach.

 

Internationale Installationen

Inzwischen haben sehr viele der Microsoft Dynamics 365 Business Central Kunden Produktions- oder Vertriebsgesellschaften in anderen europäischen Ländern. Die Einrichtung und Verwaltung der länderspezifischen Installationen war zu Dynamics NAV Zeiten nicht ganz so einfach. Microsoft hat nun eine zentrale Verwaltungsplattform freigegeben, über die, im Handumdrehen und innerhalb weniger Minuten neue Länderspezifische Instanzen erstellt und zentral administriert werden können.

 

Backups

Für Kunden die Microsoft Dynamics 365 Business Central on-premise, also auf eigener Hardware, betreiben, gehört ein ordentliches Sicherungs- und Wiederherstellungskonzept zum kleinen 1×1. Cloud-Kunden, die Business Central über den Microsoft Service nutzen, müssen sich darüber keine Gedanken machen. Microsoft ist in der Betriebsverantwortung und übernimmt die Überwachung und Sicherung der Systeme. In der Online-Version war es vor dem Fall-Release nicht möglich ein Backup seiner Daten selbstständig zu erzeugen. Dies hat Microsoft nun umgesetzt. Benötigt wird für den Export der Daten ein Microsoft Azure Speicherkonto. Auf diesem wird dann ein so genanntes BACPAC-File als Sicherung abgelegt. Mit diesem Backup ist es jedoch nicht ohne weiteres möglich eine komplett funktionsfähige Business Central Umgebung zu erstellen, da auf einem produktiven System durchaus auch Apps von Drittanbietern installiert sein können. Der Zugriff auf die Unternehmensdaten ist damit aber gesichert.

 

Multi-Tasking

Warum Multi-Tasking?
Typische Anwendungsfälle finden sich in der Praxis sehr viele. Angefangen von Buchhaltungskräften die gerne gleichzeitig 2 oder mehrere Mandanten geöffnet haben möchten, oder auch Einkäufer, die neben der geöffneten Einkaufsbestellung eine Lager- oder Produktionsliste geöffnet halten möchten. Grundsätzlich geht es immer darum, die Arbeitsprozesse möglichst effizient und ohne langes Ab- und Anmelden zu ermöglichen. Microsoft Dynamics 365 Business Central ermöglicht es nun verschiedene Anwendungsbereiche oder sogar Mandanten in eigenen Browser-Tabs zu starten. Durch das neue Named-User-Modell werden hierfür auch keine zusätzlichen Lizenzen benötigt.